Nachrichten

Wettbewerb um den Barbara-Schadeberg- Preis 2019

Die Barbara-Schadeberg-Stiftung prämiert und dokumentiert alle drei Jahre Beispiele eigenständiger Entwicklungen in evangelischen Schulen und Internaten, die für das evangelische Schulwesen und für die allgemeine Bildungsdiskussion von besonderem Interesse sind.

Die Stiftung schreibt hiermit für das Jahr 2019 einen Preis aus zum Thema

PLURALITÄTSFÄHIGKEIT EVANGELISCHER SCHU-LEN:
KONZEPTE ZUM UMGANG MIT VIELFALT

Welche theologischen und pädagogischen Grundlegungen sind prägend für den Umgang mit Pluralität an Ihrer Schule?
Welche Vision bzw. welcher äußere Anlass motivierte die Schulgemeinde, sich dem Thema zu widmen und entsprechend zielführende Strategien zu entwickeln?
Wie zeigt sich vorrangig die Unterschiedlichkeit der Schülerschaft (der Lehrkräfte und Eltern) an Ihrer Schule?
Welche pädagogischen und fachlichen Konzepte/Schwerpunkte wurden entwickelt, um dieser Vielfalt gerecht zu werden: sie produktiv zu fördern und wertzuschätzen?
Welche konkreten Fördermaßnahmen sind dazu im Schulprogramm implementiert worden?

Der Wettbewerb soll dokumentieren, wie sich Pluralität an evangelischen Schulen und Internaten realisiert und zu deren Profilbildung in evangelischer Perspektive beiträgt. Von Interesse sind sowohl Ihre konzeptionellen Überlegungen als auch anschauliche praktische Beispiele der Umsetzung im Unterricht bzw. im Schulleben.

Alle allgemeinbildenden evangelischen Schulen und Internate sind zu diesem siebten Wettbe-werb der Barbara-Schadeberg-Stiftung eingeladen!

1. Preis: 5.000 €
2. Preis: 3.000 €
3. Preis: 2.000 €

Die Jury bildet ein Expertenteam aus Wissenschaft, Schulpraxis und Schulverwaltung.
Ihre Bewerbung richten Sie an die Geschäftsstelle der Barbara-Schadeberg-Stiftung:
Frau OStD’ i.K. i.R. Christel Ruth Kaiser, Steinatal 14, 34628 Willingshausen-Steinatal.

Einsendeschluss: 1. August 2019

Die feierliche Preisverleihung erfolgt im Oktober 2019 durch die Stifterin, Frau Barbara Lambrecht-Schadeberg, im Rahmen der Barbara-Schadeberg-Vorlesungen an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (24./25.10.2019).

Hinweise für die formale und inhaltliche Anfertigung Ihrer Bewerbung:
Ihre übersichtlich strukturierte schriftliche Bewerbung soll im Textteil mindestens 10 Druckseiten (12pkt/1,5-zeilig), höchstens aber 20 Seiten umfassen; erwartet wird zudem eine den Text nachvollziehbar veranschaulichende mediale Präsentation (als Anlage o.ä.).
Ihre Bewerbung soll deutlich machen, auf welche Weise Ihre Schule/Ihr Internat ein evange-lisch profiliertes Konzept zum Umgang mit Pluralität entwickelt hat: Welche Unterrichtsfä-cher/-themen und Arbeitsgemeinschaften, gelebte Rituale, Traditionen bzw. regelmäßig statt-findende Projekte von Dauer prägen das Schulprogramm?
Dabei sollen Antworten auf folgende Fragen gegeben werden:

  • Wie entstand die Idee zur Implantierung des Themenfeldes „Vielfalt“ für Ihr Schulprogramm?
  • Mit welchen Teilaspekten/-schritten wurde die Thematik zu einem evangelisch profi-lierten Konzept entwickelt? Und wer war/ist an der Entwicklung und Umsetzung beteiligt?
  • Inwiefern entspricht dieses Konzept den spezifischen Anforderungen an ein Schwer-punktthema in einer evangelischen Schule/in einem evangelischen Internat?
  • Wie werden Umsetzung und Wirkung des Konzepts überprüft und dokumentiert?
  • Wie wird die Nachhaltigkeit des Konzepts gesichert, bzw. wie soll es auf Zukunft weiterentwickelt werden?

Jury und Stiftungsvorstand sind gespannt, wie evangelische Schulen und Internate mit ihren konzeptionellen Ideen Impulse aussenden, den Anforderungen einer pluralen Gesellschaft verantwortungsvoll zu begegnen, um ein Schulleben in Vielfalt – ‚protestantisch selbstbewusst‘, reflektiert und förderlich für alle  zu gestalten.

Willingshausen-Steinatal, den 5. Juni 2018


gez. Christel Ruth Kaiser
 

Deutscher Schulpreis 2018

"Dem Lernen Flügel verleihen!" Unter diesem Motto steht der Deutsche Schulpreis, den die Robert Bosch Stiftung und die Heidehof Stiftung im Jahr 2006 ins Leben gerufen haben.
In diesem Jahr landeten gleich zwei Schulen unter evangelischer Trägerschaft auf den Top-Platzierungen.
Die Evangelische Schulzentrum Martinschule in Greifswald gewinnt dabei den mit 100.000 Euro dotierten Deutschen Schulpreis 2018. Den mit 25.000 Euro dotierten zweiten Platz sicherte sich die Matthias-Claudius-Schule in Bochum unter der Schulleitung von Volkhard Trust.

Info: Abgabetermin für Förderanträge 2018 (II)

Förderanträge an den Stiftungsvorstand für das Jahr 2018 (II) sind bis spätestens bis zum 10. Oktober 2018 an die Geschäftsstelle der Stiftung zu richten.

Neubesetzung der WAES durch Frau Dr. Sylvia Losansky

Dr. Sylvia Losansky hat seit 1. März 2018 die Projektstelle „Wissenschaftliche Arbeitsstelle Evangelische Schule" im Kirchenamt in Hannover inne. Frau Dr. Losansky bringt vielfältige Erfahrungen für die gemeinsam von der Barbara-Schadeberg Stiftung, dem EKD Kirchenamt und dem CI getragenen Stelle mit. Zuletzt war Frau Dr. Losansky Wissenschaftliche Studienleiterin bei „bildung evangelisch in Europa. Verein zur Förderung europäischer Perspektiven der Bildungsarbeit e.V.“ (beE) in Erlangen.

Wechsel an der Spitze der Barbara-Schadeberg-Stiftung

Nach beinahe 25jährigem Engagement als Vorstandsvorsitzende der Barbara-Schadeberg-Stiftung hat Stifterin Barbara Lambrecht-Schadeberg aus Kreuztal-Krombach (82) die Leitung der Förderarbeit für evangelische Schulen in Deutschland und Europa an ihren Nachfolger Prof. Dr. Martin Schreiner (59), Universität Hildesheim, übergeben.

Prof. Dr. Martin Schreiner
Der Hildesheimer Professor für Evangelische Theologie und Religionspädagogik ist von Anfang an Mitglied im Kuratorium der Barbara-Schadeberg-Stiftung und seit 2006 auch Berater des Vorstands. Er habilitierte sich 1995 an der LMU München mit einer Arbeit über evangelische Schulen als Lernorten christlicher Weltverantwortung und gilt seitdem deutschlandweit als Experte für Theorie und Praxis evangelischer Schulen. Seit 2013 ist er Vizepräsident für Stiftungsentwicklung an der Stiftung Universität Hildesheim. Er sagt: „An evangelischen Schulen ist religiöse Bildung selbstverständlicher Teil allgemeiner Bildung. Evangelische Schulen resignieren nicht, sondern prosignieren: Sie stehen für etwas ein, nämlich für die Erfahrbarkeit der Menschenfreundlichkeit des christlichen Gottes. Sie bieten Ermöglichungsräume für eine religionssensible Schulkultur inklusive interkultureller und interreligiöser Bildung.“ Er teilt die Überzeugung des Global Pedagogical Network – Joining in Reformation (GPENreformation), dass evangelische Schulen einen wichtigen Beitrag zur Achtung der menschlichen Würde und zum Gemeinwohl leisten, indem sie bestrebt sind, eine Kultur der Hoffnung, des Dienstes am Anderen und der Entfaltung eines und einer jeden zu entwickeln. Dadurch sollen die Lehrkräfte und die Lernenden in die Lage versetzt werden, mit Zuversicht in die Zukunft zu gehen.

Verleihung des Barbara-Schadeberg-Preises 2016 im Rahmen der Vorlesungsreihe am 28. Oktober in Bamberg

In einer feierlichen Festveranstaltung am Abend des 28. Oktober 2016 im Rahmen der Barbara-Schadeberg-Vorlesungen in Bamberg wurden die drei Preisträger des diesjährigen Wettbewerbs der Barbara-Stiftung ausgezeichnet. Im Anschluss an die Würdigung der erfolgreichen Wettbewerbsbeiträge zum Thema  „Evangelische Schulen in der Einen Welt“ durch die Leiterin der Wissenschaftlichen Arbeitsstelle Evangelische Schule (WAES), OKRin Dr. Uta Hallwirth, gratulierte Stifterin Barbara Lambrecht-Schadeberg persönlich und übereichte die Urkunden an die Siegerschulen:

Den 1. Preis – dotiert mit 5.000 € – errangt das Laurentius-Gymnasium Neuendettelsau. (Foto oben)

Über den 2. Preis – in Höhe von 3.000 € – freut sich das Gymnasium Unterstrass/Zürich. (Foto oben)

Der 3. Preis – verbunden mit 2.000 € Preisgeld – ging an das Christliche Gymnasium Jena. (Foto oben)

Mit den Preisträgern freute sich und feierte das interessierte, fachkundige Publikum, das einen anregenden Abend in festlichem Ambiente erlebte, musikalisch hervorragend begleitet von der Klarinetten- und Saxofoncombo der Wilhelm-Löhe-Schule Nürnberg!

Rückblick auf die 7. Barbara-Schadeberg-Vorlesungen am 27./28.10.2016 in Bamberg

von Prof. Dr. Martin Schreiner, Stiftungsuniversität Hildesheim (Auszug)

… Natürlich ist es immer eine große Herausforderung für die Programmverantwortlichen, möglichst vielfältige Facetten des Tagungsthemas anklingen zu lassen und dabei eine gelingende Balance zwischen Theoriebeiträgen und Raum für Rückfragen und Beiträge der Teilnehmenden zu finden. Berücksichtigt man in dem Tagungsecho aber die mannigfaltigen Gelegenheiten zum Gespräch und Austausch bei Kaffee und Kuchen, bei dem literarischen Abendspaziergang, beim Abendessen und nach der Festveranstaltung auf dem Michaelsberg oder auf dem Weg zur oder von der anregenden Morgenandacht in der Stephanskirche, so können wir auf eine sehr gelungene Mischung aus anspruchsvoller Theorie und lebendigem Praxisaustausch zurückblicken!

Evangelische Schulen und religiöse Bildung in der Weltgesellschaft. Es geht also in den 7. Barbara-Schadeberg-Vorlesungen um evangelische Schulen, um religiöse Bildung und um die Weltgesellschaft. Erstmals sollte hier in Bamberg die Frage nach der Identität und dem Profil evangelischer Schulen in dezidiert globaler Perspektive diskutiert werden – und zwar im Bewusstsein, „dass sich die raumgreifende Globalisierung von Religion in der Gegenwart längst und mit steigender Wahrnehmbarkeit auch in deutschen Klassenzimmern bemerkbar macht.“ (Einladungstext). Wie können evangelische Schulen auf die „Eine Welt“ Bezug nehmen? Wie können sie sicher sein, mit den anderen 400 Millionen evangelischen Christinnen und Christen verantwortungsvoll die „Eine Welt“ mitzugestalten? Wie können Globalisierung als Lernanlass genutzt und der globale Blick als eine Art Leitperspektive berücksichtigt werden in der Gestaltung, Planung und Durchführung von Schule und Unterricht? Wie kann religiöse Bildung an evangelischen Schulen im Spannungsfeld von Regionalität und Universalität Lernende dabei unterstützen, ein eigenes Gleichgewicht im Verhältnis zur Welt als Ganzer zu finden?

In seinem Grußwort betonte Universitätspräsident Godehard Ruppert das großartige Engagement der Stifterin, das keineswegs selbstverständlich sei. Freie Schulen hätten immer ein Stück Spielraum zwischen Chance und Risiko. Besonders zu begrüßen sei unter anderem auch die wissenschaftliche Begleitung der Schulen, in denen die Zukunft unserer Kinder entschieden werde.

In ihren eröffnenden Worten knüpften Anette Scheunpflug und Henrik Simojoki an die Dissertation von Ruppert „Geschichte ist Gegenwart. Ein Beitrag zu einer fachdidaktischen Theorie der Kirchengeschichte“ an, in der er bereits 1984 Unrecht und Gewalt in globalen Interaktionszusammenhängen anprangerte. Sie fragten sodann, was sich eigentlich verändere, wenn wir den Blick verändern auf „Global Age“. Sie drückten ihre Freude aus, dass sie gemeinsam wissenschaftlich diesen Fragen nachgehen können.

OKR Detlev Bierbaum hob hervor, dass sein Herz für die evangelischen Schulen schlagen würde. Er verdeutlichte an der Beispielerzählung vom barmherzigen Samariter den Begriff der Nächstenliebe im Spannungsfeld von Eigenem und Fremden. Es gehe um die Frage nach der Identität und dem Profil evangelischer Schulen in globaler Perspektive. Freilich gäbe es das Evangelische per se nicht. Identität bilde sich immer nur in Auseinandersetzung mit dem Anderen. Deshalb müsse das Profil evangelischer Schulen immer wieder neu bestimmt und Angebote zur Aneignung von Pluralitätsfähigkeit gemacht werden.

Die Stifterin Barbara Lambrecht-Schadeberg erläuterte kurz die Gründungsgeschichte der Barbara-Schadeberg-Stiftung. Als sogenannte „Kanzelschwalbe“ habe der christliche Glaube immer eine tragende Rolle in ihrem Leben gespielt. Sie trug der Gedanke, was sie tun könne, um die Gute Nachricht unter die Menschen zu bringen. Sie wollte evangelische Lebenshaltung und die Botschaft von Jesus Christus an einem anderen Ort als nur in der Kirche in Berührung kommen lassen. Kirchen sollten sich nach ihrer Meinung mehr mit Schulen befassen. Bis heute hat die Barbara-Schadeberg-Stiftung über 120 evangelische Schulen beraten und begleiten sowie Lehrerfortbildung unterstützen können. Die Stiftung werde ihr Engagement für evangelische Schulen auch künftig fortsetzen und weiterhin Ermöglichungsräume bieten.

In ihrem Vortrag „Afrika, Europa und die Zukunft des Christentums“ warfen Andreas Nehring und William Ondieki Obaga eindrucksvolle religionswissenschaftliche und theologische Schlaglichter auf den globalen Religionswandel.

Prof. Nehring erinnerte neben der zeitlichen Dimension von Theologie und Kirche auch an die räumliche Dimension der globalen Vielgestaltigkeit der christlichen Religion, der World Christianity. Er stellte die Aussage im ÖRK-Missionspapier von Busan aus dem Jahre 2013 heraus, dass es eine Verlagerung von der „Mission hin zu den Rändern“ zur „Mission von den Rändern her“ gibt, und verwies auf die demographische Untersuchung „The next Christendom“ des Historikers Philip Jenkins, nach der es zu einer enormen Verschiebung des Christentums in den Süden kommt, das heißt konkret nach Afrika und Lateinamerika. „Christianity moves South“! Zurecht fragte er an, ob angesichts der rasanten Ausdifferenzierung von Christentümern, angesichts der Ausbildung von spezifischen kontextuellen Theologien in weiten Teilen des südlichen Christentums und angesichts einer Pluralisierung von methodischen Zugriffen auf theologische Themen ökumenische Einheit als Symbol des Reiches Gottes und als eschatologische Hoffnung sich nicht inzwischen in eine theologisch zwar legitimierte, jedoch in konkreten Vollzügen gar nicht mehr erstrebenswerte Vision aufgelöst hat. Als wesentliches Moment der Ökumene hielt er die Begegnung mit „dem Anderen“ fest, sei es in interkulturellen, interkonfessionellen oder interreligiösen Begegnungen.

Dr. Obaga drückte seine Freude aus, die Perspektiven aus dem Vortrag von Prof. Nehring konkretisieren zu dürfen. Die ganze Welt sei eine Welt von kleinen Nachbarschaften geworden. Er erinnerte an die christlichen Kirchenväter Nordafrikas, die dann Europa beeinflusst haben. 1844 gab es in Tansania keinen einzigen Christen, heute seien 85% der Bevölkerung christlich. Er sprach auch über die Rolle der Missionare seit Ende des 19. Jahrhunderts, die ganz unterschiedliche „Christentümer“ mitgebracht hätten samt innereuropäischer Konflikte. Schließlich machte er nachdrücklich klar, dass es das Afrika nicht gibt. Aktuell gäbe es eine Mischung aus afrikanischem und europäischen Christentum.

Annette Scheunpflug und Henrik Simojoki stellten in ihrem Vortrag „Evangelische Schulen in der Einen Welt“ wichtige erziehungswissenschaftliche und religionspädagogische Perspektiven und Konkretisierungen vor. Sie nahmen dabei überwiegend Bezug auf das Projekt „schools500reformation“. Prof. Scheunpflug und Prof. Simojoki begründeten zum einen, warum es wichtig ist, evangelische Schulbildung in einem globalen Bezugshorizont zu reflektieren und auch konkret anzulegen, und zeigten anhand einer Aktion des Projektes „schools500reformation“ exemplarisch auf, wie eine solche Horizonterweiterung und Perspektivenverschränkung vonstattengehen kann, einschließlich der damit verbundenen Herausforderungen. Sie fokussierten Schulen allgemein als Teil der Weltgesellschaft und bezeichneten letztere als Lernherausforderung – insbesondere hinsichtlich Sprache, Kontextualisierung und Übersetzung sowie Selbstzuordnungsunterstützung. Gemeinsam plädierten sie nachdrücklich dafür, in Prozessen religiöser Bildung und christlich fundierter Schulentwicklung der globalen Bildungsdimension stärkeres Gewicht zu geben, und erinnerten an die dem christlichen Glauben inhärente Globalität, die derzeit in ganz unterschiedlichen theologischen Denkprojekten bearbeitet werden: Kontextuelle Theologien, öffentliche Theologien, interkulturelle Theologien oder Theologien der Kultur sowie das Projekt einer postkolonialen Theologie.

Im Rahmen der „schools500reformation“ Aktion „Erhebe deine Stimme und formuliere Thesen für eine bessere Zukunft“ wurden Protestbekundungen einer sechsten Klasse der Evangelischen Gesamtschule Gelsenkirchen-Bismarck und der Mabenga-Grundschule aus Goma in der Demokratischen Republik Kongo näher vorgestellt und für „touching realities“ geworben.

Manfred Pirner thematisierte im dritten Hauptvortrag „Öffentliche Religionspädagogik im globalen Horizont“. Er ging von der These aus, dass sich aus der Diskussion um das öffentliche Gemeinwohl in pluralistischen Gesellschaften wichtige Impulse für die Religionspädagogik gewinnen lassen. Das in den 1970er Jahren entstandene Konzept der Öffentlichen Theologie verortet sich bewusst im Kontext einer pluralistischen Gesellschaft, indem es die Partikularität von Christentum, Theologie und Kirche sowie deren Angewiesenheit auf den Dialog mit anderen bewusst bejaht. Auf dieser Basis will es seine eigenen spezifischen Beiträge zum Gemeinwohl aus dem Schatz der christlichen Tradition und Kommunikationsgemeinschaft einbringen. Prof. Pirner wies darauf hin, dass unter anderem die zunehmend drängendere Frage nach interreligiöser Verständigung und den tragfähigen Grundlagen von immer pluralistischer werdenden Gesellschaften die öffentliche und politische Dimension von Religion und Religionsunterricht stärker auch ins theologische und religionspädagogische Bewusstsein rücken ließen. Als Grundprinzipien der Öffentlichkeit markierte er Gleichheit, Freiheit, Rationalität und Universalität. Von entscheidender Bedeutung für eine öffentliche Religionspädagogik sei es, sich klar zu machen, dass es Öffentlichkeit heutzutage nur im Plural gäbe und dass diese Öffentlichkeiten in charakteristischen Mischungen von regionalen, nationalen und international-globalen Öffentlichkeiten wirksam seien. In Aufnahme von Pirners Gedanken liegt es nahe, evangelische Schulen als Raum der Einübung von öffentlichem religiös-weltanschaulichem Diskurs zu verstehen. In diesem Sinne entspräche dem Öffentlichkeitsbezug eine Praxis, die auf Sprach-, Verständigungs- und Reflexionsfähigkeit, also auf Öffentlichkeits- und Dialogfähigkeit zielt. Äußerst anregend sind seine 5 Konsequenzen für Selbstverständnis und Aufgaben von evangelischen Schulen!

Dr. Uta Hallwirth beleuchtete die Ergebnisse des Barbara-Schadeberg-Wettbewerbs 2016 und gab unter dem Titel „Global denken – lokal handeln“ Anregungen aus der und für die Praxis evangelischer Schulen. Es war zweifellos eine große Herausforderung für die Schulen, sich innerhalb der Trias Gesamtkonzept einer Evangelischen Schule – Globalisierung/Eine Welt – Konkretionen globalen Lernens zu positionieren. Hallwirth hebt unter anderem hervor, dass der Beitrag aus dem Laurentius-Gymnasium Neuendettelsau in schlüssiger Darstellung ein klares Gesamtkonzept/einen klaren roten Faden mit sehr reflektierten Konkretionen protestantischen Lebens und Lernens im Horizont der Globalisierung erkennen lässt. Der Beitrag des Gymnasiums Unterstrass Zürich profiliert das sehr interessante innovative Projekt eines zukünftigen neuen gymnasialen Bildungsgangs mathematisch-naturwissenschaftlicher Richtung mit dem Fokus auf globalen und gesellschaftlichen Fragen namens „Magna“ (mathematisch – global – naturwissenschaftlich). Der Beitrag des Christlichen Gymnasiums Jena kombiniert die Erfahrungen aus dem eigenen Unterrichtsfach Globales Lernen mit denen aus einem eindrucksvollen Chile-Projekt, in dem Schülerinnen und Schüler aus Jena in Chile in Schulen gehen und zudem dort in diversen sozialen Projekten arbeiten. Sie verdienen sich die Reisekosten durch eigenen Fundraisingeinsatz. Chilenische Schülerinnen und Schüler besuchen danach Jena.

Info/Erinnerung: Abgabetermin für Bewerbungen um den Barbara-Schadeberg-Preis 2016 ist der 1. August 2016!

Der Stiftungsvorstand lädt herzlich zur Teilnahme am Wettbewerb ein. Die Wettbewerbsausschreibung (von Juni 2015) findet sich zum Herunterladen unter Downloads.

1 2 3 4 5 >