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Rückblick auf die Barbara-Schadeberg-Vorlesungen 2013

Unter Beteiligung von ca. 100 Hörern fanden am 29. und 30. Oktober die Barbara-Schadeberg-Vorlesungen 2013 mit dem Thema „Evangelisch Profil zeigen im religiösen Wandel unserer Zeit. Impulse für das protestantische Bildungsverständnis“ statt.

Prof. Dr. Gert Pickel unternahm in dem ersten Hauptvortrag am 29.10. eine luzide religionssoziologische Bestandsaufnahme der Situation von Religion und Religiosität im vereinigten Deutschland. Seine erkenntnisleitende Fragestellung lautete „Rückkehr des Religiösen oder voranschreitende Säkularisierung?“ Er thematisierte die Situation in dem von einer „Kultur der Konfessionsmitgliedschaft“ geprägten Westdeutschland und in dem von einer „Kultur der Konfessions- wenn nicht Religionslosigkeit“ geprägten Ostdeutschland sowie die sich in den letzten Jahren verstärkenden Phänomene „Traditionsabbruch“, „Entkirchlichung“, „religiöse Individualisierung“ und „Pluralisierung“. Eindrucksvoll belegte er mit Verweis auf zahlreiche empirische Untersuchungen den sich aufgrund der Transformation der religiösen Landschaft vollziehenden Wandel. Er prognostizierte, dass in Deutschland eine zunehmende Säkularisierung und eine zunehmende religiöse Pluralisierung stattfinden werde. „Dass dabei in Westdeutschland immer noch ein nicht zu unterschätzendes Ausmaß an religiöser Verankerung, im Sinne tradierter Beziehungen zu Religion, vorliegt und in Ostdeutschland Kirchlichkeit ein klares Randphänomen darstellt, tut aber einer gleichläufigen Entwicklung keinen Abbruch. Gerade die Prozesse der Säkularisierung fördern dabei noch eine Zunahme des Diskurses um und über Religion.“ Eine spannende Frage ist die nach einer bottom line religiöser Vitalität: Ist die untere Fallgrenze religiöser Vitalität in Ostdeutschland schon erreicht? Was wird sich darauf folgend entwickeln? Besonders im Gedächtnis geblieben sind das Stichwort „sozialer Bedeutungsverlust“ und der Hinweis auf die sogenannte „Schweigespirale“. Hilfreich war auch die Definition von Religiösität, nach der es um das Verhältnis von religiöser Frage und religiöser Antwort geht.

Im zweiten Hauptvortrag beleuchtete Prof. Dr. Michael Domsgen Möglichkeiten, den Herausforderungen der Konfessionslosigkeit und der kontinuierlichen Abnahme der Konfessionszugehörigkeit zu begegnen. Er ging dabei von zwei Grundentscheidungen aus. 1. Dem Kontext von mehrheitlicher Konfessionslosigkeit kommt eine grundlegende Bedeutung für Religion zu. 2. Religiöse Bildung als Ziel religionspädagogischer Reflexionen und Bemühungen ist nicht nur für Menschen von Bedeutung, die sich selbst als religiös einschätzen oder Angebote religiöser Bildung wie beispielsweise den schulischen Religionsunterricht nutzen. Menschen können auch dann von religiöser Bildung profitieren, wenn sie diese Art der Selbst- und Lebensdeutung für sich selber nicht annehmen wollen. Er ging von fünf Leitgedanken religiösen Lehrens als strukturiertem und umfassenden Angebot an die Lernenden aus: 1. Sensibilisieren und plausibilisieren. 2. Unterschiede zwischen religiösen und nicht-religiösen Deutungsmustern fruchtbar machen. 3. Ergebnisoffen kommunizieren und so Verstehen fördern. 4. Mitteilen und darstellen. 5. Über das gemeinsame Tun Bildungsprozesse anregen. Die große Chance evangelischer Schulen sieht Domsgen darin, Erfahrungs- und Erprobungsräume evangelischer Erziehungs- und Bildungsverantwortung zu sein.

Nach einem heiteren Rundgang auf Luthers Spuren durch das Augustinerkloster am 30.10. entfaltete Prof. Dr. Andrea Schulte eindrücklich die Chancen evangelischer Schulen in religiös indifferenten Kontexten. Sie benannte als günstige Bedingungsfaktoren profilbildender Arbeit evangelischer Schulen in Ostdeutschland die „Unselbstverständlichkeit“ und „Konkurrenzlosigkeit“ christlicher Religion sowie die intellektuelle Offenheit für religiöse Themen. Sodann markierte sie in einem äußerst erhellenden Sieben-Punkte-Programm, wie die christliche „Marke“ in religiös indifferentem Kontext zu profilieren ist: 1. Kirche macht Schule und gestaltet Bildung. 2. Bejahung religiöser Heterogenität. 3. Religiöse Bildung als selbstverständlicher Teil allgemeiner Bildung. 4. Religionssensible Begleitung. 5. Religionsunterricht als Forum einer Didaktik religiöser Kommunikation. 6. Evangelische Bildungstradition erinnern und vergegenwärtigen. 7. Religiöse Sprach- und Dialogfähigkeit der Lehrkräfte an evangelischen Schulen.

OKR´in Dr. Uta Hallwirth gab in ihrem Vortrag einen lebendigen Einblick in die Praxis evangelischer Schulen, indem sie die einzelnen Beiträge zu dem diesjährigen Barbara-Schadeberg-Preis zusammenfassend würdigte und sehr anschaulich vier verschiedene Dimensionen protestantisch geprägten Schullebens in religiös indifferenten Kontexten aufzeigte: 1. Sichtbare Zeichen setzen. 2. Religiöse Bildung stärken. 3. Religiöses Schulleben gestalten. 4. Mit zentralen Projekten ausstrahlen.

Die Barbara-Schadeberg-Vorlesungen 2013 werden von Frau Prof. Dr. Andrea Schulte, Universität Erfurt (Martin-Luther-Institut, Fachgebiet Religionspädagogik) voraussichtlich im Jahr 2014 in der Reihe „Schule in evangelischer Trägerschaft“ (Waxmann-Verlag Münster) mit Ergänzung durch weitere themenspezifische Texte veröffentlicht.

Barbara-Schadeberg-Preis 2013 im Luthersaal des Erfurter Augustinerklosters an 4 Preisträgerschulen verliehen

„Evangelisch Profil zeigen: protestantisch geprägtes Schulleben in religiös indifferenten Kontexten“, so lautete das Thema des diesjährigen Barbara-Schadeberg-Wettbewerbs für allgemeinbildende evangelische Schulen und Internate. Unter den mit viel Engagement gestalteten Beiträgen aus dem Norden und Süden, dem Westen und Osten Deutschlands fiel der Jury eine Entscheidung nicht leicht. Im Rahmen der Barbara-Schadeberg-Vorlesungen in Erfurt wurden am 29.10.2013 in einem Festakt im Augustinerkloster die Preise durch die Stifterin, Frau Barbara Lambrecht-Schadeberg, verliehen.

Gratulation den beiden 2. Preisträgerschulen: Evangelisches Schulzentrum Mühlhausen und Bodelschwingh-Gymnasium Windeck-Herchen

Diesmal gab es zwar keinen ersten Preis, dafür wurden aber jeweils zweimal der 2. und der 3. Preis vergeben.

Freuen konnten sich über einen 3. Preis die Laurentius-Realschule Neuendettelsau der Diakonie Neuendettelsau für ihr Konzept einer am religiösen Profil ausgerichteten Schulentwicklung sowie die Evangelische Sekundarschule „Lebenswege“ Hedersleben in Trägerschaft der Johannes Schulstiftung. Hier überzeugte das Projekt „segensreich Wirken“ als Kristallisationspunkt für die Profilentwicklung.

Die beiden 3. Preisträger aus Neuendettelsau (Bayern) und Hedersleben (Sachsen) mit der Stifterin Barbara Lambrecht-Schadeberg

Die beiden 2. Preise gingen an das Evangelische Schulzentrum Mühlhausen, Gymnasium und Regelschule, in Trägerschaft der Evangelischen Schulstiftung in Mitteldeutschland und an das Bodelschwingh-Gymnasium Windeck-Herchen in Trägerschaft der Evangelischen Kirche im Rheinland. Mühlhausen überzeugte durch ein auf vier Säulen beruhendes Konzept religiösen Schullebens. Das Gymnasium in Windeck-Herchen überraschte mit seinem „Weinberg-Projekt“, das dem evangelischen Profil im Schulleben wie im Unterricht eine sicht- und erfahrbare Mitte gibt.

Die beiden 2. Preisträger aus Windeck-Herchen (Rheinland) und Mühlhausen (Thüringen) mit der Stifterin Barbara Lambrecht-Schadeberg

Den vier Preisträgern ganz herzliche Gratulation und alle guten Wünsche für ihre weitere Schulentwicklung!

Glückwünsche auch den zehn anderen evangelischen Schulen, die sich beteiligt haben und mit ihren Beiträgen belegen, wie vielfältig und engagiert sie „evangelisch Profil zeigen“!

Herzliche Einladung zu den Barbara-Schadeberg-Vorlesungen 2013 am 29./30.10.2013 im Luthersaal des Augustinerklosters Erfurt

Die Stiftung lädt zu den 6. Barbara-Schadeberg-Vorlesungen ein, die am 29. und 30. Oktober 2013 in Kooperation mit der Universität Erfurt im Luthersaal des Augustinerklosters Erfurt stattfinden werden. Zum Einladungsflyer.

Das Programm befasst sich mit dem religiösen Wandel unserer Zeit und Antworten darauf aus protestantischer Perspektive.

Anmeldungen an die Geschäftsstelle der Stiftung sind ab sofort möglich.

Erinnerung: Abgabetermin für die Bewerbungen um den Barbara-Schadeberg-Preis 2013: 01. August 2013

Die Ausschreibung des Preises finden Sie unter Förderungen/Barbara-Schadeberg-Preis.

Info: Abgabetermin für Förderanträge 2013 (II)

Förderanträge an den Stiftungsvorstand für das Jahr 2013 (II) sind spätestens bis zum 01. Oktober 2013 an die Geschäftsstelle der Stiftung zu richten.

Info: Abgabetermin für Förderanträge 2013 (I)

Förderanträge an den Stiftungsvorstand für das Jahr 2013 (I) sind spätestens bis zum 25. März 2013 an die Geschäftsstelle der Stiftung zu richten.

Ausschreibung des Barbara-Schadeberg-Preises 2013 veröffentlicht: Einladung zur Teilnahme an alle allgemeinbildenden evangelischen Schulen und Internate!

WETTBEWERB
UM DEN BARBARA-SCHADEBERG-PREIS EVANGELISCHE SCHULE

Die Barbara-Schadeberg-Stiftung prämiert und dokumentiert alle drei Jahre Beispiele eigenständiger Entwicklungen in evangelischen Schulen und Internaten, die für das evangelische Schulwesen und für die allgemeine Bildungsdiskussion von besonderem Interesse sind.

Die Barbara-Schadeberg-Stiftung schreibt hiermit für das Jahr 2013 einen Preis aus
zum Thema

EVANGELISCH PROFIL ZEIGEN:
PROTESTANTISCH GEPRÄGTES SCHULLEBEN
IN RELIGIÖS INDIFFERENTEN KONTEXTEN

Wie lässt sich das Umfeld Ihrer Schule/Ihres Internats unter soziokulturellen Aspekten beschreiben? Worin besteht die spezifische „religiöse Indifferenz“ im schulischen Einzugsbereich?
Und welche konzeptionellen Wege hat Ihre Schule beschritten, um in dieser Ausgangslage evangelisch Profil zu zeigen?

Der Wettbewerb soll dokumentieren, wie sich protestantisches Profil an evangelischen Schulen und Internaten angesichts ihres zunehmend religiös indifferent geprägten Umfeldes realisiert. Vielfalt und Verschiedenheit der Ideen, die das Evangelische im Schulprogramm erkennbar und erlebbar machen, sind dabei ausdrücklich erwünscht: Gottesdienstlich-liturgische Formen interessieren hier ebenso wie Beispiele für die konkrete Umsetzung von evangelischen Glaubens- und Bildungsinhalten im unterrichtlichen und außerunterrichtlichen Schul- bzw. Internatsleben.

Alle allgemeinbildenden evangelischen Schulen und Internate sind zu diesem fünften Wett-bewerb eingeladen!

1. Preis: 5.000 € – 2. Preis: 3.000 € – 3. Preis: 2.000 €

Die Jury bildet ein Expertenteam aus Wissenschaft, Schulpraxis und Schulverwaltung.

Ihre Bewerbungen richten Sie an die Geschäftsstelle der Barbara-Schadeberg-Stiftung:
Frau OStD’ i.R. Christel Ruth Kaiser, Steinatal 14, 34628 Willingshausen

Einsendeschluss: 1. August 2013


Die Preisverleihung erfolgt im Oktober 2013 durch die Stifterin und Vorsitzende der Stiftung, Frau Barbara Lambrecht-Schadeberg, im Rahmen der Barbara-Schadeberg-Vorlesungen an der Universität Erfurt.

 

Hinweise für die formale und inhaltliche Anfertigung Ihrer Bewerbung:

Ihre übersichtlich strukturierte schriftliche Bewerbung soll im Textteil mindestens 10 Druckseiten (12pkt/1,5-zeilig), höchstens aber 20 Seiten umfassen; erwartet wird zudem eine den Text nachvollziehbar veranschaulichende mediale Präsentation (als Anlage o.ä.).

Ihre Bewerbung soll deutlich machen, auf welche Weise Ihre Schule/Ihr Internat evangelisches Profil entwickelt hat: Welche gelebten Traditionen bzw. welche regelmäßig stattfindenden Projekte von Dauer prägen das Schulprogramm?

Dabei sollen Antworten auf folgende Fragen gegeben werden:

  • Wie entstand die evangelische Profil-Idee für Ihr Schulprogramm?
  • Wie wurde sie zu einem evangelisch profilierten Konzept entwickelt? Und wer war/ist an dessen Entwicklung und Umsetzung beteiligt?
  • Inwiefern trägt dieses Konzept den spezifischen Anforderungen des religiös indifferenten Umfeldes Ihrer Schule/Ihres Internates Rechnung?
  • Wie ist die Akzeptanz innerhalb und außerhalb der Schule bzw. des Internats?
  • Wie werden Umsetzung und Wirkung des Konzepts überprüft und dokumentiert? Und zu welchen Ergebnissen führte die bisherige Evaluation?
  • Wie wird die Nachhaltigkeit des Konzepts gesichert, bzw. wie soll es auf Zukunft we-terentwickelt werden?

Jury und Stiftungsvorstand sind darauf gespannt, wie Inhalte und Ziele protestantischer Bildung in der pädagogischen Vielfalt evangelischer Schulen zum Ausdruck kommen.

Willingshausen-Steinatal, im August 2012

         OStD’ i.R. Christel Ruth Kaiser
                         2. Vorsitzende

Siehe auch: Barbara-Schadeberg-Preis

Den Text dieser Ausschreibung können Sie auch als PDF oder unter Downloads herunterladen.

5. Bundeskongress Evangelische Schule in Berlin am 13./14. September 2012

"Mit jedem Kind, das Dir begegnet, ertappst Du Gott auf frischer Tat - Evangelische Schule ist mehr"  

13.-14. September in Berlin, weiter zum Programm und zur Anmeldung:

5. Bundeskongress Evangelische Schule

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